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Die Hauszeremonie

Die dörflichen Rituale sind aber nicht die einzige Form der Verehrung lokaler Gottheiten. Jeder Haushalt kann etwa auch einen religiösen Spezialisten einladen, vor dem betreffenden Hausaltar eine Zeremonie durchzuführen, was regelmäßig zumindest einmal jährlich geschieht. Darüber hinaus werden Rituale vor dem Hausaltar auch bei individuellen Problemen veranstaltet, wie etwa der Erkrankung eines Familienmitglieds oder einer bevorstehenden Reise, für die man um göttlichen Schutz bittet.

Diese Rituale werden von oftmals verheirateten Dorfpriestern oder von Mönchen eines Klosters abgehalten. Sie können mit den Numen direkt in Kontakt treten.

Wenngleich sich diese Zeremonien - und vor allem die damit verbundenen Wünsche der Laien - an die ursprünglich vorbuddhistischen Götter der näheren Umgebung richten, so werden sie dennoch mit den rituellen Techniken des Buddhismus durchgeführt.

 
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Hauszeremonie in einem bhutanischen Dorf Zoom

 
Der Ablauf der Zeremonie

Der Priester nimmt mit seinen Gehilfen im Altarraum des Hauses Platz. Dieser Raum ist der heiligste Bereich des Hauses und häufig wie ein regelrechter Tempel ausgestattet. Am Altar werden religiöse Darstellungen und Ritualgegenstände aus dem Familienbesitz aufbewahrt. Um sich des Wohlwollens der Götter zu vergewissern, werden ihnen am Altar außerdem ständig Opfergaben angeboten. Das Licht der Butterlampen, der Wohlgeruch von Blumen oder der Geschmack der Speisen sollen die Sinne der Götter erfreuen.

Der Priester sitzt an einem kleinen Tisch dem Altar gegenüber und breitet seine Ritualgeräte sowie den Text, aus dem er lesen wird, vor sich aus.

Noch bevor die eigentlichen religiösen Handlungen beginnen, hat der Priester aus Teig Figuren geformt - so genannte Torma* -, die mit Butter geschmückt und zum Teil rot bemalt werden. Mit diesen Figuren werden den Göttern Körper angeboten, in denen sie sich auf Einladung des Priesters niederlassen und die dargebrachten Opfer annehmen.

 
 
Torma am Hausaltar Zoom

So wird jedoch nicht nur der Gott dargestellt, an den das Ritual hauptsächlich gerichtet ist, sondern auch sein gesamtes religiöses Umfeld. Darunter finden sich auch Persönlichkeiten des tibetischen Buddhismus, welche die lokalen Grenzen sprengen und durch ihre Anwesenheit das ganze Geschehen auf eine überregionale Ebene anheben. Im Ritual finden die Götter der Mittelebene ihre Position im Pantheon und Gedankengebäude des Buddhismus wieder.

Der Dorfpriester nimmt mit seinem Helfer gegenüber dem so vorbereiteten Altar Platz. Hier werden sie in den nächsten Stunden ihre Texte lesen, Gebete sprechen, Musikinstrumente spielen und so bei den Göttern der Landschaft sein. Audio abspielen

 

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Sie beginnen mit der Anrufung des »Dreifachen Juwels des Buddhismus« (dKon mchog gsum) - Buddha, seine Lehre und seine Gefolgschaft. Dann beten die Mönche zu ihrem Initiationsmeister (bla ma'i zhaps rten). So vorbereitet, verjagen sie alle bösen Einflüsse und Dämonen vom Ort der Zeremonie (bgegs skrod).

Nun können sie all die am Altar dargestellten Götter und Göttinnen aufrufen und einladen, am Ritual teilzunehmen (spyan 'dren). Sind die Gottheiten einmal anwesend, opfert der Priester ihnen all das, was am Altar für sie vorbereitet wurde (mchod pa). Zusätzlich zu diesen Gaben preist er die Güte und das Wohlwollen der Götter (bstod pa). Dem folgt wieder ein Speiseopfer (tshog).

Sollten bisher Fehler in der Durchführung der Zeremonie gemacht worden seien, so entschuldigt sich der Lama jetzt dafür (bkang gsol/mdzod gsol). Nun sind die Götter darauf vorbereitet, um ihre Gegenleistung gebeten zu werden. Sie sollen die buddhistische Lehre, die Bewohner des Gebietes und alle Lebewesen beschützen, Feinde abwehren, Fruchtbarkeit gewähren und den Frieden in der Gemeinschaft erhalten (dge ba bsngo ba). Im abschließenden Gebet wird nochmals der Segen der Götter und ihr Schutz für den Rest der Zeiten erbeten (bkra shis).

Am Ende des Rituals verabschiedet der Lama die Götter wieder - die einen in die Felsen, andere in Hügel oder Steinsetzungen und wieder andere auf die hohen Berge. Von ganz oben überblicken sie die Ordnung der Welt.

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Kleine Doppeltrommeln dieser Art (damaru) kommen vorwiegend bei Zeremonien für Berggötter zum Einsatz.


Der Dorflama wird regelmäßig in den häuslichen Altarraum eingeladen, die Schutzgötter der Familie wohlwollend zu stimmen.


Die Teigfiguren auf dem Hausaltar stellen verschiedenen Gottheiten des tibetischen bzw. bhutanischen Buddhismus dar. Ihre Anordnung kann von Region zu Region variieren.
Foto von Christian Schicklgruber


Mit Musikinstrumenten werden die Gottheiten aufgerufen, am Ritual teilzunehmen. Der Wohlklang ist auch eine Opfergabe an den Gehörsinn der Götter.


Schlaginstrumente wie die hier dargestellte Trommel sowie Blasinstrumente kommen bei buddhistischen Zeremonien vorwiegend zum Einsatz. Der Klang der Musik soll die Götter milde stimmen.