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Ablauf des Dorfrituals

Die ersten beiden Tage des Festes vergehen mit säkularen und rituellen Vorbereitungen. Allein die Herstellung der oft kunstvoll verzierten Teigfiguren beansprucht viel Zeit. Immer wieder werden von der Laienbevölkerung auch Tänze aufgeführt, oder Männer und Frauen messen sich in Wettgesängen. Eine Gruppe singt eine Strophe, die andere muss in passender und möglichst humoristischer Form antworten. Der soziale Aspekt der Zusammenkunft steht in diesen beiden Tagen sicher im Vordergrund - versteht man den Berggott als religiösen Ausdruck sozialen Zusammenhaltes, so macht dies durchaus auch in religiöser Hinsicht Sinn.

 


Den Höhepunkt bildet der letzte Tag. Nun kleiden sich alle Dörfler mit ihren besten Gewändern. In einer der nördlichen Provinzen tragen Frauen einen Tunika-ähnlichen Kleidungstyp, der nur mehr an diesem einen speziellen Tag Verwendung findet. Diese Tuniken waren ursprünglich die alltägliche Tracht in diesen Regionen, bevor sie von neuen Moden verdrängt wurden. Mit diesen Kleidern will man wohl dem Berggott zeigen, dass die alten Traditionen immer noch hoch gehalten werden.

Nun wird die Gottheit angerufen. Oft kann es vorkommen, dass das Medium des Dorfes von ihr besetzt wird. Die Gemeinschaft kann nun mit dem Gott direkt in Kontakt treten. Es werden Fragen gestellt, die Gottheit antwortet direkt durch den Mund des Mediums.

Der Kriegstanz

Nun versammeln sich vor dem Schrein der Schutzgötter im Tempel Männer aus den angesehensten Familien des Dorfes. Oftmals sind sie dabei als altertümliche Krieger kostümiert. Damit zeigt man der Gottheit, dass man sehr wohl bereit ist, auch selbst zu kämpfen, wenn sie um Hilfe und Unterstützung gebeten wird. Waren früher oft wirklich bevorstehende Kriegszüge Anlass dazu, so ist es heute der Kampf gegen das Schlechte an sich. Anschließend tanzen die Krieger im Tempelhof, um schädliche Geister zu vertreiben, bevor sie zu der eigens gebauten Hütte ziehen, in der ein Lama vor dem mit Torma* geschmückten Altar die Zeremonie durchführt.

 

 
Bhutanische Kriegswaffen Zoom

 

Dieser Zug nimmt aber nicht die direkteste Route. Vielmehr markiert er in einem Zick-Zack das gemeinsame Territorium der Gemeinschaft, das nun wieder unter dem wohlwollenden Schutzbereich des Yül lha steht.

Zum Abschluss des Verehrungsfestes werden alle Opfergaben bei einem großen Festessen für alle Anwesenden verzehrt.

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Seidenbrokat mit Goldfadendekor, Applikationsstickerei, Baumwolle; Höhe 31 Zentimeter, Breite 28 Zentimeter; Leihgabe aus dem National Museum Paro
Der Hut steht für eine ganz bestimmte Gottheit. Sobals ein Medium in Trance ihn aufsetzt, nimmt diese von ihm Besitz. Die Menschen können nun direkt mit dem Gott in Kontakt treten und zum Beispiel Auskunft über die Zukunft erhalten oder ihn um Unterstützung im Kampf gegen schädliche Einflüsse bitten.


Tunika (shingkha), Wolle, Applikationen aus Wollstoff und Seide; Länge 121 Zentimeter, Breite 97 Zentimeter; Leihgabe aus dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich
Tuniken dieser Art werden heute nur mehr in der Region Kurtö von Frauen bei Ritualen für die Berggötter angelegt. Die Trägerinnen betonen, dass es keine Alltagskleidung ist. In vielen Dörfern dürfen sie nur von Frauen der bedeutendsten Familien getragen werden.


Schwerter, Klingen aus Eisen, Griffe aus Silber und Messing, Scheide aus Holz mit Hautbespannung, Hüllen aus Wolle und Baumwolle; Länge 93 Zentimeter; Leihgabe von Tobgye S. Dorje
Als reale Kriegswaffen haben Schwerter ausgedient, sie werden aber heute noch für die Schutzgottheiten in ihren speziellen Altarräumen aufbewahrt. Bei manchen Ritualen werden sie für Kriegstänze verwendet.


Angesehene Männer tanzen als Krieger verkleidet zum Wohlgefallen der Schutzgottheit. Dabei tragen sie Waffen, wie sie noch zur Jahrhundertwende im Kampf verwendet wurden.


Jeder Tempel beherbergt einen für die Schutzgottheiten bestimmten Altar. Hier finden sie einen Aufenthaltsort, und hier werden ihnen Opfergaben angeboten, wie sie nur zornvolle Gottheiten verlangen. Nur wenigen ist es erlaubt, die Schreintüren zu öffnen. Für Uneingeweihte wäre der fürchterliche Anblick der zornvollen Gottheit schädlich.
Foto von Christian Schicklgruber


Angesehene Männer tanzen als Krieger verkleidet zum Wohlgefallen der Schutzgottheit. Dabei tragen sie Waffen, wie sie noch zur Jahrhundertwende im Kampf verwendet wurden.