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Die Götter im Alltag

Die Götter der »Religion der Menschen« (mi chö) spielen im Gegensatz zu den Göttern der »Religion der Götter« (lha chö, damit ist der Buddhismus gemeint) eine bestimmende Rolle in der Organisation des alltäglichen Lebens. Sie regeln nicht nur das Verhältnis der Menschen zueinander, sondern auch das Verhältnis zwischen Menschen und der von ihnen bewohnten und genutzten Welt. Betrachten wir anhand einiger Beispiele, wie diese Götter in alltägliche Belange eingreifen.

Die Götter und die Gemeinschaft

Eine Bedingung für das Wohlwollen der Götter ist neben der regelmäßigen Darbringung von Opfern die Einhaltung ethischer und sozialer Normen. Dies betrifft sowohl den Umgang der Menschen miteinander als auch individuelles Verhalten.

Ein junger Mann aus dem bhutanischen Dorf Jakar etwa entwendete aus Geldgier aus einem Kloster einen wertvollen religiösen Text und verkaufte ihn. Die Gemeinschaft verlor dadurch ein wesentliches Stück ihres ideellen Besitzes, da dieser Text als die Sammlung der Worte des Buddha galt; darüber wachen die zum Schutz des Buddhismus verpflichteten Gottheiten.

Wird eine ethische oder soziale Regel gebrochen, entzieht der Gott seinen Schutz. Dadurch öffnet sich ein Tor für all die Übel wollenden Numen, die hinter jeder Ecke lauern, um den Menschen zu schaden.

 

 

Die Verfehlung eines Einzelnen kann sich so verheerend auf die ganze Region auswirken - das Vieh erkrankt, Dürre trocknet die Erde aus, oder Hagel verwüstet die Felder. Dadurch lastet großer Druck der Gesellschaft auf dem Individuum, sein Handeln innerhalb sozialer Spielregeln zu gestalten.

Im erwähnten Fall kam es jedoch anders: Die Sanktion der Götter blieb auf die Familie des Übeltäters beschränkt. Der Dieb wurde von der Polizei ausgeforscht und festgenommen. Noch während dessen Haftzeit lockte der lokale Gott den Vater des Diebes durch ein Geräusch auf das Dach seines Hauses und ließ ihn dann in den Tod stürzen. Da der Sohn im Gefängnis saß, hatte er nicht in einem Ritual um Vergebung für seine Tat bitten können.

 

Geraubte Seelen

Bricht aber jemand, der nicht Mitglied der Gemeinschaft ist, einen Konflikt mit dem lokalen Yül lha vom Zaun, so beschränkt sich die Rache des Gottes auf diese Person.

So raubte etwa der Berggott Ödöpa einst die Seele eines indischen Soldaten, der sich über die Verehrung der Yül lha und die Befolgung ihrer Forderungen despektierlich geäußert hatte. Kurz nachdem der Soldat diese abfälligen Bemerkungen gemacht hatte, strich mehrmals ein schwarzer Hund an ihm vorüber. Am nächsten Tag erkrankte er und starb. Der schwarze Hund war der Diener des Berggottes, ausgesandt, um die Seele des Spötters zu holen.

Überhaupt kann sich ein Yül lha der Seele jedes Verstorbenen bemächtigen und sie bei sich behalten. Der Berggott nimmt sie so lange auf die Streifzüge durch sein Gebiet mit, bis auch er von seinem Dasein mit all seinen irdischen Verstrickungen erlöst wird.

Deshalb muss die Totenzeremonie von einem sehr erfahrenen Lama* durchgeführt werden. Nur er kann dem Yül lha die Seele des Verstorbenen entreißen und sie an einen Ort führen, der außerhalb der Reichweite irdischer Götter liegt - entweder in das »reine Buddhaland im Osten« oder in das »reine Land der großen Seligkeit« des Buddha Amithaba.

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Wandmalerei im Kloster Prakar; rezent
Kebu Lungtsen wird – wie für Götter seiner Art üblich – ikonographisch als mythologischer Krieger dargestellt. Der zornvolle und kriegerische Ausdruck soll seine Bereitschaft signalisieren, den Menschen sowohl helfend bei Bedrohungen beizustehen als auch deren eigene Verfehlungen zu ahnden.
Foto von Christian Schicklgruber


Wandmalerei auf Stoff; 19. Jahrhundert; 245 x 121 Zentimeter; Leihgabe aus dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich
Narrative Thangkas lehren in verschiedensten Episoden über das Zusammentreffen buddhistischer Heiliger mit Wesen der vorbuddhistischen Religion.


Thangka; 125 x 77 Zentimeter; Leihgabe von Josette Schulmann (Ausschnitt)
Es gibt noch immer eine große Zahl Dämonen, die mit dem Buddhismus kaum in Berührung gekommen sind und den Menschen daher sehr gefährlich bleiben.