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Die Nutzung der Natur

Im Abendland sind Natur und der gesamte Kosmos zur Schöpfung eines einzigen Gottes geworden, zu einer Sache, die er uns zur Nutzung freigab. In unserer Tradition wurde die endgültige Trennung der Welt in Himmel und Erde, oben und unten, göttlich und menschlich schon im alten Testament festgeschrieben. Im Osten jedoch wurde die Natur nicht nur in volksreligiösen Vorstellungen, sondern auch in der buddhistischen Literatur mit in die höchste kosmologische Wahrheit aufgenommen und mit transzendenter Bedeutung ausgestattet.

Die Götter aus dem unmittelbaren Lebensbereich des Menschen bestimmen den Rhythmus der Jahreszeiten, sie setzen die Raum- und Zeitkoordinaten zur Bearbeitung und Nutzung des Landes. Den Zeitpunkt für viele landwirtschaftliche Tätigkeiten markieren bestimmte Rituale an die Schutzgottheiten.

 

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Rituelle Grenzziehung

Viele Bewohner Zentralbhutans ziehen das ganze Jahr über mit den Herden. Im späten Frühjahr wandern sie von den Weiden in der Nähe des Dorfes auf die Hochalmen, und erst im Herbst kehren sie wieder zurück. Sie folgen damit ihrem Yül lha, der sich ebenfalls je nach Jahreszeit an verschiedenen Orten niederlässt.

 

Jedem Ortswechsel muss ein Sang-Ritual - ein reinigendes Weihrauchopfer - der Dorfgemeinschaft vorausgehen. Von diesem Tag im Frühjahr an gibt es eine Trennungslinie zwischen dem Dorf mit seinen umliegenden Feldern und dem Aufenthaltsort des Yül lha, der nach dem Ritual die Umgebung des Dorfes verlässt und im Gebiet der Hochalmen weilt. Würde nach diesem Ritual ein Hirte mit seinem Vieh dem Dorf nahe kommen, wäre der Yül lha verärgert und könnte Krankheiten in den Viehherden verursachen.

Vor dem Ritual ist die imaginäre Grenze geschlossen: Niemand kann auf die Hochweiden gehen, bevor die Weiden nach der Schneeschmelze die Herden tragen können. Und umgekehrt wird gewährleistet, dass die Herden nicht vor der Ernte die Felder gefährden.

Durch Rituale dieser Art wird Streit vermieden, die gesellschaftliche Harmonie bleibt bestehen, und die Natur wird sehr behutsam als Wirtschaftsgrundlage genutzt.

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Lamas eines nahegelegenen Klosters führen im Dorf unter Anwesenheit der Dorfbewohner ein Ritual an die Schutzgottheiten durch. Diese Feste sind Adaptionen alter lokaler Feiern an den lamaistischen Buddhimus, der diesen zwar seinen Stempel aufgedrückt hat, sie aber dennoch lebendig hält.
Foto von Christian Schicklgruber


Die Yaks der Dorfbewohner dürfen erst nach der Ernte, also im Spätherbst, in die Nähe der Dörfer kommen.
Foto von Christian Schicklgruber