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Drukpa Künle

Der tibetische Heilige Drukpa Künle (1455-1529) ist eine der bekanntesten und volkstümlichsten Gestalten des bhutanischen Legendenschatzes. Die Geschichten seiner Siege über böswillige Naturgötter werden nicht zuletzt aufgrund ihres oft obszönen Inhaltes bis heute gerne erzählt.

 

So schlug Drukpa Künle eines Abends, als er auf dem Weg von Paro nach Norden zur tibetischen Grenze war, in einer Höhle sein Nachtlager auf. Er war für seine großen religiösen Fähigkeiten bekannt, zugleich stand er aber auch in dem Ruf, häufig Konventionen und Normen zu brechen. Jedoch war es seine Bestimmung, mit seinen magischen Kräften ungezähmte Mächte zu unterwerfen. Alle Frauen und Männer in der Höhle riefen in Lobeshymnen den Namen des Berggottes Ödöpa aus und baten ihn um sein Wohlwollen. Drukpa Künle aber pries nur sich selbst und schlief ein.

Schlag Mitternacht kehrte Ödöpa von seinen Streifzügen durch das Land zurück, seine Klauen ausgestreckt, sein langes Haar strich über den Boden, seine Augen funkelten. Er weckte Drukpa Künle und fragte ihn wütend, warum er ihn nicht verehrt habe. Drukpa Künle entgegnete, er verehre nur sich selbst und sonst niemanden.

Zornentbrannt wollte Ödöpa diesen Frevel bestrafen. Doch noch bevor er zu einem tödlichen Schlag ausholen konnte, packte ihn Drukpa Künle, zog ihm die Haut seines Penis ab und sperrte ihn darin wie in einen Sack ein.

Dies war eine furchtbare Folter. Regnete es, wurde der Sack weit und schwer. Schien aber die Sonne, so zog er sich zusammen und drohte Ödöpa zu ersticken. Drukpa Künle ließ den Gott um Gnade winselnd zurück und zog weiter.

Gnade für Ödöpa

Erst nach vielen Jahren kam Drukpa Künle wieder in diese Gegend und ließ Ödöpa unter der Bedingung frei, dass er einen feierlichen Schwur ablege, hinfort die Religion des Lama, den Buddhismus, zu beschützen. Der Gott hatte keine Wahl und legte den Eid ab. Er bat aber Drukpa Künle, ihm ein Gebiet zuzuteilen, in dem er Opfer verlangen könne. Der Lama meinte, es werde bald jemand kommen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Damit war niemand anderer als der Shabdrung Ngawang Namgyel gemeint, der erste Herrscher Bhutans.

Der Shabdrung* überließ Ödöpa ein großes Gebiet, von dessen Bewohnern er Opfer verlangen durfte. Dafür musste er die Menschen vor allen anderen überirdischen Mächten beschützen, die in Felsen oder Hainen hausten. Darüber hinaus hatte er den Bewohnern der Täler Fruchtbarkeit der Felder zu gewähren und das Vieh gedeihen und sich vermehren zu lassen.

Ödöpa hielt sich an diese Vereinbarung und zählt heute zu den am meisten verehrten Berggottheiten Bhutans.

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Thangka; Malerei auf Leinwand; Maße 129 x 111,5 Zentimeter; 20. Jahrhundert; Leihgabe von Anthony Aris
Biografische Darstellung des Drukpa Künle, des »göttlichen Narren«, der wegen seiner oftmals obszönen Handlungen Protagonist gerne erzählter Geschichten ist. Seine Taten jenseits konventioneller Normen sollten auf den relativen Aspekt menschlicher Vorstellungen hinweisen und den Geist von den Fesseln konventionellen Denkens befreien.


In diesen Felsen verkörpert sich der Schutzgott Ödöpa. Hier liegt auch die Höhle, in der unsere Geschichte spielt.


Von Tibet aus schoss Drukpa Künle eines Tages einen Pfeil über die Himalaya-Hauptkette. Er schwor einen feierlichen Eid, den Himalaya zu überqueren und an der Stelle, an der er den Pfeil finden würde, mit der Verbreitung des Buddhismus zu beginnen.


Drukpa Künle ist einer der bekanntesten Dämonenbezwinger in Bhutan. Hier bezähmt er ein schlangenhaftes Wesen (lu*).