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Der Guru als zweiter Buddha

Guru Rinpoche gilt heute als der Begründer der Nyingmapa-Schule des Buddhismus. Zugleich ist er der prominenteste Vertreter einer schon im siebenten Jahrhundert in Tibet einsetzenden Tendenz, die regionalen naturreligiösen Kulte mit dem Buddhismus zu verschmelzen.

Schon früh wurde Guru Rinpoche als »zweiter Buddha« dargestellt. Darauf deutet etwa schon der Geburtsmythos hin. Und auch die Biografie des Guru wird - wie in der unten abgebildeten Wandmalerei zu sehen - analog zur Lebensgeschichte Buddha Shakyamunis durch zwölf Taten skizziert.


 
Die Biografie Guru Rinpoches Zoom

 

Von der zentralen Figur Guru Rinpoches gehen die goldenen Strahlen der Weisheit in alle Richtungen aus. In seiner linken Armbeuge hält er einen Dreizackstab mit drei Köpfen als geheimes Sinnbild für seine tantrische Partnerin (yum). Flankiert wird er von seinen tantrischen Gefährtinnen Yeshe Tshogyel, einer mächtigen tibetischen Dakini*, und Mandarava, der Tochter des Königs von Zahor in Indien.

Für die Anhänger des tibetischen Buddhismus ist Guru Rinpoche also nicht nur ein Magier, der zur Verbreitung des Buddhismus im Himalaya eine Vielzahl von Naturgottheiten besiegte und unterwarf.

Jede Persönlichkeit, egal ob Mensch oder Gott, besteht aus den drei Aspekten Körper, Rede und Geist, wobei sich jeder dieser Aspekte einzeln und unabhängig voneinander reinkarnieren kann. Jedes Heiligtum muss daher ein Buch, eine Stupa und eine Statue enthalten. Nur dann ist der Buddha wirklich anwesend: Das Buch steht für seine Lehre, die Stupa für seinen Geist und die Statue für seinen Körper. Dementsprechend wird Guru Rinpoche auch als die Verkörperung des Körpers des Buddha Shakyamuni*, der Rede des Bodhisattva* Avalokiteshvara* und des Geistes von Buddha Amithaba* gesehen und genießt somit ähnliche Verehrung wie Buddha selbst.

 

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Wandmalerei auf Stoff; 19. Jahrhundert; 245 x 121 Zentimeter; Leihgabe aus dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich
Wandmalereien werden in Bhutan auf Stoff gemalt, der an die Wand geklebt wird. Teilweise sind stuckierte Details (Pastiglia) aufgebracht.


Der Dreizack der Weisheit.
Seine drei Köpfe symbolisieren die Vereinigung des Guru mit seinen tantrischen Partnerinnen.


Ausschnitt aus einer Wandmalerei auf Stoff; 19. Jahrhundert; 245 x 121 Zentimeter; Leihgabe aus dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich
Guru Rinpoche in Meditationshaltung, flankiert von zwei tantrischen Gefährtinnen. In seiner Rechten hält er einen Vajra*, Symbol seiner magischen Geburt.