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Ritual zur Beeinflussung der Welt

Geistliche, die die rituellen Techniken beherrschen, führen diese nicht nur für ihre eigene Erlösung durch. Oftmals werden sie von Laien eingeladen, Rituale mit verschiedensten Zielen - wie etwa Fruchtbarkeit, die Abwehr von Dämonen oder die Erlangung eines langen Lebens - durchzuführen.

Die in Bhutan praktizierte Tradition des Buddhismus kennt 424 Krankheiten, 360 verschiedene Geister und Dämonen (dön), die Krankheiten verursachen, sowie 80.000 böse Wesen (gegs), die den Menschen Hindernisse in den Weg legen. Die Rituale richten sich gegen diese negativen Kräfte und gegen viele andere, die uns in dieser Welt begegnen.

 

 

Bei jedem Ritual, ganz gleich wofür es im Einzelfall gedacht sein mag, kommen bestimmte religiöse Elemente vor: Gebete für die Stammfolge der Gurus der Schule, für die Buddhas, für die Zuflucht in den Drei Edelsteinen (Buddha, seine Lehre und die Gemeinschaft der Gläubigen) und für die Erzeugung von Bodhicitta (Mitgefühl für alle Lebewesen); das Herbeibitten der Götter, die Darbringung von Torma, das Singen von Lobeshymnen, das Rezitieren von Mantras* und das Meditieren über die Gottheit, die Bitte um Gunst in Gegenwart und Zukunft, die Darreichung von Abschiedsgaben unter Lobeshymnen; die Bitte um Verzeihung für alle Mängel der Zeremonie oder für die unvollständige bzw. überlange Lesung oder Anbetung. Zum Abschluss wird stets ein Dankgebet gesprochen.

Religiöse Praktiken dieser Art werden von Klosterlamas, von Dorfpriestern (gomchen) oder von tantrischen Meistern (nagpa) vollzogen.

Wer auch immer das Ritual durchführt, ein Kerninhalt der Ritualistik des tibetischen Buddhismus kommt immer zur Wirkung: Eine Gottheit ist in gewissem Sinn »objektiv« gegenwärtig, sie macht den Ritus wirksam.

Ihr bringt man Opfergaben dar und erhält Segnungen; gleichzeitig kann man die Gottheit um Erfüllung des Anliegens bitten, aufgrund dessen das Ritual durchgeführt wurde – sei es Regen, die Vertreibung von Dämonen, die Verlängerung des Lebens oder ähnliches.

Glaubt der das Ritual vollziehende Geistliche an die Existenz des Gottes, ist er für die Erleuchtung verloren. Für den Laien jedoch sind diese Gottheiten real und wirksam. Er kann aufgrund seiner religiösen Einsichten und Fähigkeiten der konventionellen Wahrheit nicht entfliehen; er muss vielmehr in ihr leben können. Dazu braucht er den Beistand der Religion, wie er sie versteht.

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Laienpriester (gomchen) haben keine monastischen Gelübde abgelegt. Sie leben oftmals verheiratet inmitten der Dorfgemeinde.
Foto von Christian Schicklgruber


Thangka; Maße 101 x 66 Zentimeter; Leihgabe von Josette Schulmann
Darstellungen symbolischer Opfergaben (kangdzä) werden zumeist in Klöstern aufgehängt und dienen als Meditationsgrundlagen. Im innersten Kreis wird den Schutzgottheiten der Weltenberg Meru dargebracht. Auf dem Gipfel des Berges steht der Götterpalast Indras. Die Sinne erfreuende Gaben in Schädelschalen werden den Göttern ebenso angeboten wie Herden von schwarzen Widdern, Pferden und Yaks.