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Ritual als Weg aus der Welt

Den Weg zum Austritt aus dem Kreislauf der Wiedergeburten weist ein ausgeprägter Ritualismus. Die tantrische Tradition verwendet dazu Methoden des psycho-physischen Trainings, wie sie in Indien seit Jahrtausenden bekannt sind. Sie wurden im Tantrismus zu einem überaus komplexen System weiterentwickelt.

Die große Bedeutung des Lehrmeisters findet auch im Ablauf der meisten Rituale ihren Ausdruck. Der Durchführende beginnt mit der Anrufung der Linie seiner Lehrer, welche dem Ritus seine Gültigkeit verleiht. Dann nimmt man verbal Zuflucht zu den Buddhas und Bodhisattvas, um in einem nächsten Schritt das Gelübde abzulegen, die Erleuchtung zu erlangen und seine religiösen Verdienste zur Befreiung aller Lebewesen zu verwenden. Durch dieses Bekenntnis und durch die Rezitation heiliger Formeln (mantra*) reinigt man sich von seinen Sünden.

 


Erst nach diesen Vorbereitungen kann der nächste Schritt, der Prozess der geistigen Schaffung phänomenaler Existenz, durchgeführt werden. Der Meditierende lässt aus der »Leere« eine Gottheit gemäß ihrer Ikonographie entstehen. Die Gottheit verlässt ihren numinosen Zustand in der Sphäre des Absoluten, in der sie sich in ihrer »Form als absolutes Bewusstsein« befindet. Dies ist eine Übung, für deren Durchführung außergewöhnliche Konzentration erforderlich ist. In einem »plötzlichen Schwung« identifiziert sich der Schüler mit der Gottheit, er selbst wird zur Gottheit.

In einem nächsten Schritt wird die geistige Erzeugung der Identifikation mit der Gottheit zerstört, die Gottheit wird wieder in ihren Bereich des Absoluten entlassen. Dies soll zum Erlebnis führen, dass die konventionelle, in Objekt und Subjekt gespaltene Sichtweise der Welt ebenso eine Illusion ist, wie es letztendlich die konventionelle Auffassung des eigenen Selbst als auch die Existenz der Gottheiten sind. Dadurch erfährt der Mönch das Wahre Wesen der Erscheinungen: ihre Leerheit. Mit dieser Erkenntnis schwindet die Interpretation des Selbst, die Wahre Wirklichkeit ist geschaut, der Suchende ist am Ziel und erleuchtet. Es ist aber völlig zwecklos, diese Dinge nur durch rationales Denken zu wissen; diese letzte Einsicht muss in Meditation erfahren und erlebt werden.

Letztendlich bedeutet dies, dass in einem gewissen Sinn auch die Götter selbst nicht existieren. Dies trifft aber nur auf die Einsicht des schon Erleuchteten zu. Für den in der Relativen Wirklichkeit Gefangenen aber sind die Gottheiten sehr wohl existent und wirksam. Diese Aussagen erscheinen nur auf den ersten Blick widersprüchlich: Die Götter sind als Helfer auf dem Weg zur Erleuchtung zu verstehen.

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Unter dem Vorsitz eines sehr hohen Lamas wird im Kloster Tamshing in der Provinz Bumthang ein Ritual für langes Leben vollzogen.
Foto von Christian Schicklgruber

Ritualgegenstände werden als Ausdruck philosophischer Inhalte vom Lama im Ritual verwendet. Bestimmte Bewegungen mit Glocke und Diamantenzepter versinnbildlichen die Aufhebung jeglicher Dualität und das letzte Ziel der Erkenntnis, die Leerheit alles Seienden.
Foto von Christian Schicklgruber