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König und Staat

König Jigme Singye Wangchuck leitet die Geschicke des Landes mit Hilfe folgender Körperschaften: Der König steht einer Regierung (zhung) vor, der exekutive Aufgaben zukommen. Je ein Minister (lyönpo) leitet das Ressort für Inneres, Finanzen, Planung, Kommunikation, Gesundheit und Erziehung, Handel und Industrie, Landwirtschaft sowie Äußeres.

Die legislative Kraft geht von der Nationalversammlung (tshogdu) aus. Sie setzt sich aus 150 Mitgliedern (chimi*) zusammen, wobei 105 in geheimer Wahl von den dörflichen Gemeinschaften für jeweils drei Jahre gewählt werden. Jedem Haushalt steht eine Stimme zu. 10 Mitglieder werden vom Klerus entsandt und vom Central Monastic Body und dem District Monastic Body gewählt. 35 Chimi werden vom König direkt aus dem Kreis hoher Staatsbeamter ernannt. Die Nationalversammlung trifft sich zweimal im Jahr gemeinsam mit dem König in der Hauptstadt Thimphu, um Gesetze zu verordnen und die Regierung zu beraten. Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit verabschiedet. Da über zwei Drittel der Mitglieder geheim gewählte Vertreter dörflicher Gemeinschaften sind, kann Bhutan im gewissen Sinne demokratisch genannt werden, ohne die europäischen demokratischen Forderungen nach politischen Parteien zu erfüllen.

Die Beratungsgremien

Der Royal Advisory Council (lodey tshogdey) wurde 1965 mit der Aufgabe gegründet, den König und die Minister zu beraten und die Implementierung von Programmen und Verfahrensweisen der Nationalversammlung zu beaufsichtigen. Von seinen neun Mitgliedern werden sechs von der Nationalversammlung aus den Vertretern kleinerer lokalpolitischer Körperschaften (dzongkhag) für drei Jahre gewählt, einer wird jeweils vom Central Monastic Body und vom District Monastic Body entsandt, den Vorsitzenden des Councils nominiert der König.

Der Monastic Body setzt sich aus dem Central Monastic Body (Punakha, Thimphu, Dratshang) und den District Monastic Body (rabdey) zusammen und behandelt religiöse Angelegenheiten. Die zirka 5000 Mönche Bhutans werden von der Königlichen Regierung Bhutans finanziert. Oberhaupt der Mönchsgemeinde (dratshang lhentshog) ist der Je Khenpo, der von hochrangigen Mönchen gewählt wird. Er wird von vier Vertretern des Central Monastic Body assistiert.

 

Die Gesetzgebung

Der Gesetzeskodex der Gerichtsbarkeit geht auf den Staatsgründer Shabdrung Ngawang Namgyel zurück. Die heute geltenden Gesetze (thrimshung chenmo) wurden von der Nationalversammlung 1957 in Kraft gesetzt. Der Oberste Gerichtshof besteht aus acht Richtern, die zum Teil vom König eingesetzt, zum Teil von der Nationalversammlung gewählt werden. Den Gerichten in jedem der 20 Distrikte steht ein Thrimpön vor, der von Ramjam assistiert wird. Es werden aber nur solche Rechtsfälle bei Gericht anhängig, die nicht von den Dorfnotabeln entschieden werden können.

Dies führt uns von der staatspolitischen Ebene wieder zu den 80 Prozent der bhutanischen Bevölkerung, die nicht nur geografisch weit entfernt der Hauptstadt in ländlichen Strukturen leben. Angelegenheiten des alltäglichen Lebens werden hier nach wie vor in großer Autonomie und alten Traditionen gemäß geregelt. Persönliche Beziehungen zwischen den Individuen der lokalen Gesellschaft und die Beziehung zwischen einer Gesellschaft zu ihrer göttlichen Natur bestimmen soziales Tun. Auch die Regierungs- und Verwaltungsphilosophie Bhutans greift ganz bewusst wieder auf diese alten Bräuche zurück.

Die Verwaltungsstrukturen

Bhutan ist administrativ in 20 Distrikte (dzongkhag) gegliedert. Die Distriktsvorsteher (dzongda) sind für die Administration, die Steuereinhebung, Entwicklungsaktivitäten und Protokollfragen verantwortlich. Sie werden vom König eingesetzt, sind aber dem Innenministerium gegenüber verantwortlich. Assistiert werden sie von Dzongrab. Große Dzongkhag sind wiederum in Dungkhag unterteilt, denen ein Dungpa vorsteht.

Die Dzongkhag selbst bestehen aus 196 Gewog, denen ein gewählter Gup vorsteht. Dessen Aufgaben sind es, dem Dzongdag zu assistieren, Steuern einzusammeln, Arbeitskräfte für kommunale Arbeitsvorhaben und öffentliche Bauarbeiten zu mobilisieren und Konflikte beizulegen. In Summe kann man ihm die Regelung der Politik des Alltagsleben zuschreiben.

Besonders in Entwicklungsangelegenheiten sind Dezentralisierungsmaßnahmen in letzter Zeit gesetzlich festgeschrieben worden. Seit 1981 gibt es die District Development Committees und seit 1991 die Gewog Development Committees, die formal die alten traditionellen »Zusammenkünfte der Haushalte« (gewog zomdue) ersetzten. Ihre Mitglieder werden von den Dorfgemeinschaften gewählt.

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Fotografie, gerahmt; Maße 50 x 38 Zentimeter; Leihgabe aus dem Museum für Völkerkunde Wien
Zwischen dem König und dem Oberabt Bhutans, dem je Khenpo, herrscht ein gutes Einvernehmen in der Leitung der Geschicke des Landes. In vielen Amtsstuben, aber auch in Klöstern und Privathäusern sind sie gemeinsam auf Fotografien zu sehen.


Schwert mit Scheide und Gürtel, Eisen, Silber, partielle Vergoldungen, Textil; Länge 89,5 Zentimeter; Leihgabe aus den National Museums & Galleries on Merseyside, Liverpool
Das Schwert wird an einem Gürtel getragen, der mit fein gearbeiteten Silberbossen versehen ist. Früher galten Schwerter neben ihrem Gebrauchswert im Krieg als Statussymbol des Adels. Heute ist ihr Tragen Personen vorbehalten, denen der König den Titel eines Dasho* (Edelmannes) verliehen hat.