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Dunkle Zeiten

Der Shabdrung Ngawang Namgyel hatte ganz Westbhutan unter seine Herrschaft gebracht. Wenige Jahre nach seinem Tod wurden auch Zentral- und Ostbhutan nach einem militärischen Feldzug in den zentral verwalteten Staat eingegliedert.

Ngawang Namgyel selbst hatte noch die beiden zentralen Positionen seines Regierungssystems, den Je Khenpo* und den Desi*, in seiner Person vereint. Unmittelbar nach seinem Tod wurden beide Machtbereiche getrennt und mit eigenständigen Oberhäuptern besetzt. Der Shabdrung selbst setzte noch engste Vertraute aus dem Klerus in die Schlüsselstellen ein. Besonders in seinem Blutsverwandten Tenzin Rabgye (1638-1696) sah er seinen direkten Nachfolger. Er behielt ihn immer in seiner Nähe und achtete auf dessen religiöse Erziehung.


Solange Verwandte oder Vertraute des Shabdrung regierten, wurde sein Werk fortgesetzt und die Zentralgewalt konsolidiert. Nachdem aber Tenzin Rabgye ohne leiblichen Sohn verstorben war, endete die traditionelle, auf Blutsverwandtschaft gegründete Erbfolge des Geschlechts der Gya*.

Das Herrschaftssystem sah vor, dass alle Desi* - insgesamt sollten es 55 werden - von den Nachfolgern des Shabdrung vorgeschlagen würden. Aber genau die Frage nach den rechtmäßigen Nachfahren des Reichsgründers sollte Bhutan in eine lange Reihe von Bürgerkriegen stürzen. Rivalisierende Desi*, die Herren der Dzong und alteingesessene Adelsgeschlechter lieferten einander erbitterte Machtkämpfe.

Eine Phase der Ruhe setzte nur für wenige Jahrzehnte ein, als unter Sherab Wangchuck (1697-1765) die Lehre der Wiedergeburten des Shabdrung offiziell anerkannt wurde. Dieser Lehre zufolge verkörperte sich der Reichsgründer dreifach in seinen Aspekten von Rede, Körper und Geist. Am bedeutendsten wurde die Linie der Reinkarnationen des Geistes.

 

Doch auch diese offiziell anerkannten Wiedergeburten konnten die Stelle des Shabdrung nicht einnehmen. Die immer mächtiger werdenden Dzongvorsteher, der Desi* selbst, aber auch mönchische Klosterherren, die sich zur Durchsetzung ihrer Machtansprüche durchaus weltlicher Mittel bedienten - sie alle kämpften um das Erbe des Shabdrung. In Bhutan herrschten verworrene, oft kriegerische Zustände. Hohe Steuerverpflichtungen erschwerten das Leben der Bauern.

Diese dunklen Zeiten sollten bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts dauern, bis der Pönlop von Tongsa, Jigme Namgyel (1825-1881), sich zum starken Mann Bhutans aufschwang.

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Shabdrung Jigme Dorje (1905-1931) war die sechste Wiedergeburt des Aspektes des Geistes des Shabdrung. Er war die letzte Reinkarnation des Reichsgründers, die als Oberabt Bhutans eingesetzt wurde.
Foto von F. M. Bailey, 1927; Leihgabe der British Library


Chogley Yeshey Ngodrup (1851-1917) war die fünfte Wiedergeburt des Aspektes der Rede des Shabdrung. Er war der 57. und letzte weltliche Herrscher vor der Einführung der Monarchie. Von 1915 bis zu seinem Tod im Jahre 1917 amtierte er auch als der 53. Oberabt Bhutans.
Foto von J. C. White, 1905; Leihgabe aus einer Privatsammlung


Thangka, Stoffapplikation mit Seidenstickerei; 19. Jahrhundert; Höhe 270 Zentimeter; Leihgabe aus den National Museums & Galleries on Merseyside, Liverpool
Tenzin Rabgye war ein enger Vertrauter des Shabdrung und wurde von ihm als sein Nachfolger bestimmt. Als der Shabdrung in seine letzte Meditation ging, gab er folgende Anweisung: »Sobald er die notwendige Reife zeigt, übergebt ihm die Verantwortung für alle wichtigen und unwichtigen klösterlichen Angelegenheiten.«
Als Tenzin Rabgye sein Amt als vierter Desi* antrat, verließ er die Mönchsgemeinschaft, um zu heiraten und das Geschlecht fortzuführen.