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Die Nationaltracht

Der Großteil der bhutanischen Bevölkerung ist der Überzeugung, dass Shabdrung Ngawang Namgyel der »Erfinder« ihrer Nationaltracht ist, des Go für die Männer und der Kira* für die Frauen. Diese Kleidung zählt zu den alltäglichsten materiellen Zeichen der nationalen Kultur Bhutans. Bis heute manifestiert sich im Tragen von Go* und Kira der Stolz, Bhutaner zu sein.

Bei offiziellen Anlässen wie zum Beispiel einem Besuch im Dzong ist die Gewandung in die Nationaltracht seit 1989 gesetzlich vorgeschrieben. Aber auch sonst wird sie in praktisch jeder Lebenssituation getragen, ob beim Klosterfest oder bei der Feldarbeit; es variieren einzig die Qualität des Stoffes und die Feinheit der Weberei. Nur weit im Osten, Süden und Norden tragen manche Volksgruppen noch ihre spezifische, traditionelle Kleidung.

 


Der Go der Männer

Die Bezeichnung »Go« für die spezifische Tracht der Männer Bhutans ist eine lokale Form des tibetischen Gö und bedeutet »Bekleidung« ganz allgemein.

Der Schnitt des Go ist für die Bhutaner eine vom Shabdrung entworfene Variation der tibetischen Männertracht (chuba). Wie die Chuba ist der Go ein an der Vorderseite weit überlappender Mantel, der mit einem Gürtel gebunden wird. In Bhutan jedoch wird weitaus mehr Stoff durch den Gürtel hoch gezogen als in Tibet. So entsteht eine geräumige Bauchtasche, in der bhutanische Männer ihre täglich benötigten Utensilien wie Schale, Betel, Mobiltelefon oder Messer aufbewahren; zudem steigt die Bewegungsfreiheit der Beine.

Die Kira der Frauen

Die Bezeichnung »Kira« für die traditionelle Tracht der Frauen bedeutet wörtlich »Kleid zum Einwicklen«. Die Kira besteht aus einem rechteckigen Stoffstück, das in Richtung der Kettfäden aus drei Webbahnen zusammengenäht ist. Der Stoff wird so um den Körper gewickelt, dass auf der Vorderseite eine große Falte entsteht. Er wird mit zwei Broschen unterhalb der Schultern zusammengehalten und mit einem Stoffband fest um die Taile gegürtet. Anschließend wird er unter dem Gürtel hochgezogen, sodass eine geräumige Bauchtasche entsteht, in der Artikel des täglichen Gebrauchs aufbewahrt werden können. Unter der Kira tragen die Frauen eine Bluse, darüber eine Jacke. Auch wenn alle Kira gleich getragen werden, scheint die Anzahl der Muster, die alle einen eigenen Namen haben, grenzenlos. Da es bei diesem Kleid keinen Schnitt gibt, zeigen sich Modeerscheinungen nur in den Mustern.


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Diese Familie trägt wie der überwiegende Teil der Bewohner Bhutans die Nationaltracht. Die Dame ist mit einer Kira bekleidet, der Herr trägt den Go. Der Knabe ist ein junger Mönch und als solcher angezogen.
Foto von Guy van Strydonck


Der weißgrundige Kushüthqara-Kira zählt zu den beliebtesten des zwanzigsten Jahrhunderts. Dieses Muster, das durch einen zusätzlichen seidenen Schussfaden entsteht, stammt ursprünglich aus der Region Lhuntshi, ist aber heute in ganz Bhutan weit verbreitet.
Foto von Jon Warren


Was dem Betrachter von außen wie ein Antagonismus erscheint, ist in Bhutan gelebte Realität: Der Bogenschütze verwendet für den traditionellen Nationalsport ein hochmodernes Gerät, dabei trägt er importierte Turnschuhe und Jeans und darüber den Go aus dem 17. Jahrhundert.
Foto von Christian Schicklgruber