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Das duale Herrschaftssystem

Shabdrung Ngawang Namgyel war das Oberhaupt eines theokratischen Staates; er hielt die religiöse und weltliche Macht in seinen Händen. Bevor er sich kurz vor seinem Tod in eine lange Meditation zurückzog, wollte er in den späten Vierzigerjahren des 17. Jahrhunderts einen starken Regierungsapparat schaffen, der auch nach seinem Ableben die Staatsgeschäfte lenken konnte. Die vom Shabdrung zur Verwaltung weltlicher und religiöser Belange eingesetzten Strukturen orientierten sich zur Gänze an den Prinzipien der monastischen Organisation.

 


Dem religiösen Bereich (chö*) stand der Je Khenpo vor, der Oberabt der Landes. Er sorgte für die Reinheit der Lehre und ihrer Auslegung, betreute die Mönche und sorgte für Disziplin. Politische Angelegenheiten (si) wurden von einem Desi geregelt. Er verwaltete zudem Vermögen und Grundbesitz der Mönchsgemeinschaft. Diese Regierungsform mit zwei Oberhäuptern, die für unterschiedliche Bereiche zuständig waren, wurde Chösi* oder Chösi nyiden (duales Regierungssystem) genannt.

Alle Machtpositionen und Ämter sowohl des religiösen als auch des weltlichen Bereiches wurden entweder mit Mönchen besetzt, oder Laien legten während ihrer Amtszeit monastische Gelübde ab. Mit großem diplomatischem Geschick setzte der Shabdrung Angehörige derjenigen Gruppen in wichtige Positionen ein, deren Unterstützung er zur Konsolidierung seiner Herrschaft brauchte.

 


Der Aufbau der Verwaltung

Zu den wichtigsten Machtpositionen im Land zählten das Amt des Protokollchefs (drönyer), der zugleich oberster Richter war, und die Ämter der Minister (kalön), die die Anweisungen des Shabdrung an die übrigen Beamten weiterleiteten.

Das Land war in drei große Regionen unterteilt - Tongsa, Paro und Dagana -, an deren Spitze jeweils ein oberster Lama* (pchila) oder Gouverneur (pönlop) stand. War der Amtsbezirk eines Pönlop sehr groß, wurde in manchen Gegenden ein Stellvertreter (drungpa) eingesetzt. Eine weitere wichtige Persönlichkeit war der Vorsteher eines Dzong (dzongpön). Die ersten von ihnen gab es in Punakha, Thimphu und Wangdi Phodrang. Die unterste Verwaltungsebene bildeten die »Ältesten« (gup), die mehrere Dörfer betreuten und den Bewohnern die Anweisungen des Dzong mitteilten.

Dieses Regierungs- und Verwaltungssystem blieb bis zur Gründung der Monarchie 1907 in Kraft. Mit nur geringfügigen Änderungen und wenigen Hinzufügungen haben sich die vom Shabdrung gegründeten Ämter bis in die heutige Regierungsstruktur erhalten.

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Ausschnitt aus einer Thangka, Applikations- und Stickarbeit; frühes 20. Jahrhundert; Maße 428 x 307 Zentimeter; Leihgabe aus dem National Museum, Paro
Tenzin Drugye (1591-1656), ein Vertrauter des Shabdrung, war der erste weltliche Herrscher Bhutans.


Ausschnitt aus einer Thangka, Applikations- und Stickarbeit; frühes 20. Jahrhundert; Maße 428 x 307 Zentimeter; Leihgabe aus dem National Museum, Paro
Der Mönch Pekar Jugne (1604-1672) wurde vom Shabdrung mit dem Amt des ersten Oberabtes Bhutans betraut.


Je Jamyang Gyeltsen, Bronze, Feuervergoldung; 18. Jahrhundert; Maße 44 x 27 x 20 Zentimeter; Leihgabe aus dem National Museum, Paro
Je Jamyang Gyeltsen lebte von 1742 bis 1803 und war der 18. Oberabt Bhutans. Der Kleriker ist in der Sitzweise von Buddhas und Bodhisattvas* (vajraparyanka) dargestellt, die Hände zeigen die Geste des »Rades der Lehre« (dharmacakra mudra). Am Kopf trägt er eine fünfblättrige Buddhakrone und den Haarknoten der Tathagatas, wie sie bei tantrischen Riten getragen werden.


Ngawang Trinle Lhundrup war von 1971 bis 1987 der 67. Je Khenpo Bhutans. Die Wandmalerei hinter ihm zeigt den Gründer des dualen Herrschaftssystems, Shabdrung Ngawang Namgyel.
Foto von Françoise Pommaret


Kalenderblatt, Papierdruck; Maße 72 x 45 Zentimeter; Leihgabe aus dem Museum für Völkerkunde Wien
In vielen Häusern hängen Kalender mit dem Bild des aktuellen Je Khenpo.