Die Geschichte Bhutans | Shabdrung Ngawang Namgyel | Das kulturelle Erbe | Die 13 Handwerkskünste | Tonarbeit

Jinzo: Tonarbeit - Statuen, Masken und Tonwaren

In Bhutan wird Statuen aus Ton größere religiöse Bedeutung beigemessen als solchen aus Bronze oder anderen Metallen. Ihr gesamter Herstellungsprozess ist mit viel Zeremoniell verbunden. Die Erde und das Wasser, aus dem sie bestehen, stammen aus vielen Teilen des Landes und sind oft von zahlreichen früheren und gegenwärtigen hohen Lamas geweiht worden.

In früheren Zeiten wurde das Gerüst der Standbilder aus Bambus und starken Gräsern konstruiert; heute benutzt man dafür Draht bzw. Stäbe aus Kupfer oder Eisen. Im Inneren der Figur befindet sich eine beschnitzte Holzsäule (sogshing), welche die Lebenskraft der Statue symbolisiert; sie besteht zumeist aus Wacholderholz. Die Spitze der Holzsäule ist in Gestalt einer Stupa geschnitzt, der Boden in Gestalt eines Vajra. Die Säule ist in mehrere Abschnitte unterteilt: Zuerst kommt der Kopf, dann der Hals, gefolgt vom Herz, und schließlich der Nabel. Jeder Abschnitt ist mit heiligen Schriften (zung) in Goldfarbe versehen. Im dritten Abschnitt nahe dem Herzen bringt man eine kleine Statue an, die von großen Lamas geweiht wurde. Nach ihrer Fertigstellung wird die gesamte Sogshing in einer Zeremonie von einem Lama gesegnet. Erst jetzt kann das Standbild mit einer ersten Tonschicht überzogen werden; dabei handelt es sich um eine klebrige Masse, die durch Vermischung mit der Rinde des Daphne-Strauchs hergestellt wird.

 

 

Der Meister, der die Oberaufsicht wahrnimmt, stellt eine besondere Tonmischung her, die geweihten Ton enthält; hinzugegeben werden in pulverisierter Form außerdem Gold, Silber, Kupfer und Eisen, Zee (ein in Tibet und Bhutan hoch geschätzter eingeschnittener Achat), Türkise, Perlen und anderes kostbares Gestein. Abschließend wird der Tonmasse geweihtes Wasser beigegeben, um sie bei der Bearbeitung und danach feucht zu halten. Während die Figuren langsam aufgebaut werden, drückt der Meister (Lopön) an ausgewählten Stellen Stücke des besonderen Tons auf die Oberfläche. Zuletzt wird der Kopf geformt; das ist die Aufgabe des Lopön. Anschließend wird die Statue mit Tierleim bestrichen; sobald dieser trocken ist, kann die Bemalung beginnen. Diese Arbeit wird normalerweise von Meistern ausgeführt, die natürliche Farben verwenden.


Masken spielen im religiösen und kulturellen Leben der bhutanischen Dorfgemeinschaften eine wichtige Rolle. Sie werden aus Holz oder aus Stoff hergestellt, unter Verwendung von Ton und Leim. Der erste einer langen Reihe von Arbeitsschritten bei der Anfertigung einer Stoffmaske besteht in der Gestaltung eines Tonmodells. Dafür kann jeder beliebige Ton verwendet werden. Der Jinzop Lopön modelliert durch Schneiden und Formen das Gesicht. Dann sucht er die Stoffquadrate aus und rührt den Leim an. Früher benutzte man Tierhäute anstelle von Stoff; das heute verwendete Material gewährleistet allerdings eine höhere Feinheit und eine leichtere Bearbeitung. Den Leim gewinnt man aus Tierhäuten, die dafür stundenlang gekocht werden. Auf diesem Weg wird eine feste Masse hergestellt, die in Form von soliden Blöcken jahrelang gelagert werden kann. Bei Bedarf schneidet man von einem solchen Leimblock ein Stück ab und lässt es in Wasser mehrere Stunden aufweichen. Anschließend werden die Stoffstücke in den Leim getaucht, herausgenommen und über die Tonform gelegt. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis alle Einzelheiten der Maske in Stoff nachmodelliert sind. Wenn die Stoffschicht getrocknet ist, zerbricht man das Tonmodell und nimmt die Stoffmaske ab. Bestimmte Details werden nun mit einer Mischung aus Leim und Sägespänen hinzugefügt, um besonders charakteristische Gesichtszüge, wie Wangen, Kinn, Augenbrauen und Nase, hervorzuheben. Als letzter Überzug wird ein Kreidegrund aufgetragen. Nachdem dieser getrocknet ist, wird die Maske bemalt.

Neben der Herstellung religiöser Objekte wurde früher auch viel für den häuslichen Gebrauch produziert. Diese Sparte ist jedoch am Aussterben, da vor allem aus Indien billige Plastik- oder Aluminiumware importiert wird. Diese sind meist billiger, auf jeden Fall aber haltbarer.

Die Geschichte Bhutans
.  Bhutan vor der ..
.  Shabdrung Ngawang ..
.  .  Das Leben des ..
.  .  Die Einigung des ..
.  .  Das kulturelle Erbe
.  .  .  Die zehn Handlungsbe ..
.  .  .  Die 13 Handwerksküns ..
.  .  .  .  Zimmermannskunst
.  .  .  .  Steinmetzkunst
.  .  .  .  Holz- und Schiefers ..
.  .  .  .  Malerei
.  .  .  .  Tonarbeit
.  .  .  .  Bronzeguss
.  .  .  .  Drechslerhandwerk
.  .  .  .  Schmiedehandwerk
.  .  .  .  Kunstschmiedearbeit
.  .  .  .  Bambus- und ..
.  .  .  .  Papierherstellung
.  .  .  .  Näharbeiten
.  .  .  .  Webkunst
.  .  .  Steinernes Vermächtn ..
.  .  .  Das duale Herrschaft ..
.  .  .  Die Nationaltracht
.  .  Dunkle Zeiten
.  Die Monarchie
Die Religion Bhutans
Götter und heilige Berge


Top |  Home |  Sitemap |  Suche |  Glossar |  Die Objekte |  Führung  |  Hilfe

Bhutanische Handwerker sind für ihr Geschick in der Herstellung großer Statuen aus ungebranntem Ton berühmt.
Foto von Jon Warren


Maske, Baumwollstoffe mit Bemalung; Maße 45 x B: 25 Zentimeter; Leihgabe aus einer Privatsammlung
Masken für sakrale Tänze werden aus Holz oder verleimten Textilien gefertigt. Mit dieser Maske stellt der Mönchstänzer einen Wächter der Leichenverbrennungsorte dar.


Gefäße aus Ton für den alltäglichen Gebrauch werden nur mehr selten hergestellt.
Foto von Jon Warren