Die Geschichte Bhutans | Shabdrung Ngawang Namgyel | Das Leben des Shabdrung | Der Mensch Ngawang Namgyel

Der Mensch Ngawang Namgyel

Wer war der Shabdrung, was für ein Mensch verbarg sich hinter der Herrschergestalt? Die bhutanischen Quellen schildern zwar seine Aktivitäten, aber nicht den Menschen aus Fleisch und Blut. Mehr erzählt der Bericht des Jesuitenpaters Cacella, des ersten westlichen Besuchers Bhutans. Er und sein Begleiter erreichten Bhutan im April 1627 und wohnten beim Shabdrung im Kloster Cheri. Pater Cacella beschrieb den Shabdrung mit Worten, die eine Vorstellung von dessen Persönlichkeit vermitteln:

»Er empfing uns mit Zeichen großen Wohlwollens, indem er seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, dass er uns kennen lernte, von unserer Reise erfuhr und woher wir kamen, d. h. aus welcher Gegend und welchem Land, und er stellte uns alle die Fragen, die bei einem ersten Zusammentreffen üblich sind. ... Der König [d. i. der Shabdrung] ist zugleich der oberste Lama ... Ihm liegt viel an der eigenen Güte, die überall hoch gepriesen und kaum gefürchtet wird ... Der König ist auch wegen seiner Enthaltsamkeit berühmt; er isst weder Reis noch Fleisch und ernährt sich nur von Obst und Milch ... Er verbringe die meiste Zeit im Gebet, sagte er, und in der übrigen Zeit fertige er alle möglichen Sachen, die in der Nähe standen und von denen er uns das Beste zeigte, ein Bildnis des göttlichen Antlitzes aus weißem Sandelholz, klein, doch sehr geschickt gearbeitet, und auf diese Fähigkeit ist er sehr stolz und ebenso auf seine Malerei, die er gut beherrscht ... Der König wird auch als ein großer Kenner der Literatur verehrt. ... Er trägt einen langen Bart, von dem ihm einige Haare bis zur Hüfte reichen.«

 

Die Selbstdarstellung

Der Shabdrung selbst beschrieb sich in den »Sechzehn Ichs« (Nga Chudrug-ma), die in sein Siegel eingeschrieben sind:

Ich bin es, der das Rad der beiden Lehren dreht.

Ich biete jedem sichere Zuflucht.

Ich bin es, der die Lehren der glorreichen Drukpas aufrecht

erhält.

Ich bin die Geißel aller, die sich fälschlich als Drukpas

ausgeben.

Ich verwirkliche der Sarasvasti Komposition.

Ich bin die reine Quelle moralischer Weisheitssätze.

Ich bin im Besitz des unendlichen Gesichtskreises.

Ich bin der Widersacher aller, die Unwahrheiten verbreiten.

Ich bin es, der im Disput die Oberhand behält.

Wo findet sich ein Feind, der nicht vor mir erzittert?

Ich bin der Held, der die Heere der Dämonen besiegt.

Wo findet sich einer, stark genug, sich meiner Macht zu

widersetzen?

Ich beherrsche jede Sprache, um die Lehre darzulegen.

Ich verstehe mich auf alle Wissenschaften.

Ich bin die von den Patriarchen geweissagte Inkarnation.

Ich bin der Henker aller falschen Inkarnationen.

Die Geschichte Bhutans
.  Bhutan vor der ..
.  Shabdrung Ngawang ..
.  .  Das Leben des ..
.  .  .  Die Jugend des ..
.  .  .  Flucht nach Bhutan
.  .  .  Einzug in Bhutan
.  .  .  Am Ende des Weges
.  .  .  Der Mensch Ngawang ..
.  .  Die Einigung des ..
.  .  Das kulturelle Erbe
.  .  Dunkle Zeiten
.  Die Monarchie
Die Religion Bhutans
Götter und heilige Berge


Top |  Home |  Sitemap |  Suche |  Glossar |  Die Objekte |  Führung  |  Hilfe

Der Shabdrung, Ton, Bemalung; 17. Jahrhundert; Höhe 28 Zentimeter; Leihgabe aus der Sammlung für Völkerkunde, St. Gallen
Es wird angenommen, dass diese Statue ein authentisches Porträt des Staatsgründers ist.