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Jugend in Tibet

Ngawang Namgyel, der später den monastischen Titel Shabdrung annahm, wurde 1594 in Tibet als Spross der fürstlichen Familie Gya* geboren, die der Drukpa-Kagyüpa-Schule vorstand. Sein Vater war Tenpe Nyima (1567-1619), seine Mutter war eine Tochter des Präfekten der Provinz Ü in Zentraltibet, sein Großvater Mipham Chögyel (1543-1606) war der 17. Abt des Ralung-Klosters, dem Zentrum der Drukpas. Schon früh wurde Ngawang Namgyel zum Nachfolger seines Großvaters auf dem Drukpa-Thron erzogen.

 

Rivalisierende Reinkarnationen

Ngawang Namgyel wurde als Reinkarnation des großen Drukpa-Gelehrten Pema Karpo (1527-1592) entdeckt, der selbst eine Reinkarnation Tsangpa Gyare Yeshe Dorjes (1161-1211) war, des Gründers der Drukpa-Kagyüpa-Schule.

Doch war er nicht der einzige Kandidat: Pagsam Wangpo, Sohn eines mächtigen Herrscherhauses im Yarlung-Tal in Tibet, wurde ebenfalls als der reinkarnierte Pema Karpo angesehen. Dessen Ansprüche wurden vom Herrscher der tibetischen Provinz Tsang unterstützt. Wer von den beiden Bewerbern die wirkliche Reinkarnation Pema Karpos war, konnte nie geklärt werden; jeder ignorierte die Rechtmäßigkeit des anderen.

Zunächst bat der Shabdrung den Tsang-Herrscher, seine Ansicht über die Legitimität der rivalisierenden Wiedergeburten des Pema Karpo noch einmal zu überdenken.

Als er keine Antwort erhielt, besuchte er den Herrscher im Shigatse-dzong. Doch auch dort wurde keine Einigung erzielt. Auf dem Rückweg brach auf der Fähre über den Fluss Tsangpo zwischen dem Shabdrung und seinem Gefolge einerseits und den Begleitern eines anderen Lamas andererseits ein heftiger Streit aus. Bei dem Handgemenge ertranken einige Begleiter des Lamas. Weil dieser ein Parteigänger des Herrschers von Tsang war, strengte er einen Prozess gegen den Shabdrung an. Ngawang Namgyel wurde verurteilt, Strafgeld für die Ertrunkenen zu zahlen. Mit diesem Urteil unterstützte der Tsang-Herrscher öffentlich den Anspruch des Pagsam Wangpo, die wahre Reinkarnation Pema Karpos zu sein.

Nachdem der Shabdrung das Urteil nicht anerkannte, kam bald das Gerücht auf, sein Widersacher plane ihn zu töten. Da erwog der Shabdrung erstmals eine Flucht nach Bhutan.


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Ausschnitt aus einer Seidenapplikationsarbeit; Gesamtlänge etwa 600 Zentimeter; Leihgabe aus dem National Museum, Paro
Pema Karpo war einer der größten Gelehrten der Drukpa-Schule. In ihm verkörperte sich auch deren Gründer, Tsangpa Gyare. Die Frage um die Wiedergeburt Pema Karpos sollte die Geschichte Bhutans wesentlich beeinflussen.


Thangka, Applikations- und Stickarbeit; frühes 20. Jahrhundert; Maße 428 x 307 Zentimeter; Leihgabe aus dem National Museum, Paro
Neben der zentralen Darstellung des Shabdrung Ngawang Namgyel steht links der erste Je Khenpo* Bhutans, Pekar Jugne (1604-1672), rechts der erste Desi* Tenzin Drugye (1591-1656). In der zweiten Reihe von oben sitzen links vom Shabdrung der indische Meister Naropa, der im zehnten Jahrhundert lebte und wirkte, und rechts Tsangpa Gyare (1161-1211), der Gründer der Drukpa-Kagyüpa-Schule des Buddhismus. Direkt unter dem Shabdrung ist eine seiner Wiedergeburten zu sehen. Die Persönlichkeit rechts außen in der untersten Reihe ist der Vater des Shabdrung, Tenpe Nyima (1567-1619).